"Was ist uns Pflege wert?" - Heimparlament bietet aufschlussreichen Blick auf Preis und Leistung.

Das Treffen des Heimparlaments im Stammheimer Luise-Schleppe-Haus und Schloss am 21. Januar befasste sich mit dem Thema: "Was kostet die Pflege im Heim - was ist sie uns wert?" Etwa 50 Besucher/innen kamen, um der Aufschlüsselung und dem Vergleich von Kostenstruktur in der stationären Pflege und in der Kindertagesstätte Stammheim zu folgen.

Der Bedarf an Pflege wächst

Was ist uns Pflege wert?

Peter Oberdörfer, Leiter des Controllings der Evangelischen Altenheimat, macht den Anfang. Er stellt die Evangelische Altenheimat vor und zeichnet das Szenario eines wachsenden Pflegebedarfs und folglich wachsenden Bedarfs an Pflegekräften.

Statistiken sagen, dass die demographische Entwicklung, der zunehmende Anteil älterer Menschen in unserer heutigen Gesellschaft, in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 rund 60.000 Mitarbeitende mehr als bisher in den Pflegeberufen erfordert. Zurzeit sind es 116.000 Mitarbeitende in Pflege und Hauswirtschaft.

Wie setzen sich die Kosten der stationären Pflege zusammen?

Etwa 3/4 der anfallenden Kosten sind Personalkosten sowie in geringem Maß Sachkosten für pflegerisches Material und für Energie. Darüber hinaus entstehen zu jeweils ca. 10 Procent Hauswirtschaft-Kosten einschließlich Verpflegung und Gebäudekosten. Aus vier Bestandteilen setzen sich prinzipiell die Kosten zusammen: Pflegeleistung (der weitaus größte Anteil), Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten.

Wie hoch ist der zu zahlende Eigenanteil für einen Pflegeplatz?

Am konkreten Beispiel eines Bewohners mit Pflegestufe II aufgezeigt, betragen die monatlichen Gesamtkosten des Pflegeplatzes 3.691 €. Davon fallen alleine schon 2.430 € für die Pflegeleistung an. Nach Abzug des Anteils der Pflegekasse in Höhe von 1.330 € bleibt ein Eigenanteil in Höhe von 2.360 €. Das ist der Betrag, den Bewohner/Angehörige in dem Beispielfall für die 24-stündige Rundum-Versorgung im Pflegeheim zahlen. Überraschend fällt der Vergleich mit einer adäquaten ambulanten Versorgung des Pflegebedürftigen aus, die monatlich weitaus mehr, nämlich ca. 4.500 € kosten würde - und dies ohne die Kosten fürs Wohnen!

Was kostet im Vergleich ein Platz in der Kita?

Herr Steinemann, Leiter der benachbarten kirchlichen Kita, liefert den Vergleich mit der Kostenstruktur eines Kindergartenplatzes. Auch hier machen die Personalkosten den Hauptanteil aus (etwa Dreiviertel der Gesamtkosten). Doch die Subventionen von Stadt, Bund und aus Kirchensteuern lassen den Anteil, den die Eltern pro Platz bezahlen, auf monatlich etwa 300 € beschränken.

Was ist uns Pflege wert?

Nach den Vorträgen entwickelt sich eine spannende Diskussion über Pflegekosten, Finanzierungsmöglichkeiten der Pflege, Kostenträger, wenn das eigene Einkommen nicht ausreicht, Unterhaltsansprüche gegenüber Angehörigen etc.

Als besonders greifbar empfanden die Teilnehmer des Heimparlaments die Gegenüberstellung von monatlichen Kosten für einen Heimplatz mit den Kosten für einen Monat Aufenthalt im Hotel. Die Hotelkosten übertreffen die Heimkosten bei weitem - und dies ganz ohne Pflegeleistungen!