SITAP - Qualitätssteigerung in stationärer Pflege

Der diesjährige Führungskräftetag der Evangelischen Altenheimat in der Stadthalle Korntal dient einerseits der Information aller Führungskräfte über all das, was den Altenhilfeträger aktuell beschäftigt: neue Konzepte, neue Häuser, Innovation und Weiterführung von bewährten Ansätzen. Andererseits erhalten die Teilnehmer/innen Einblick in eine neue Methode zur Situationsanalyse und Weiterentwicklung der Pflege vor Ort.

Im zweiten Teil der Veranstaltung widmen sich alle dem neuen methodischen Ansatz zur Weiterentwicklung stationärer Pflege und Qualität in unseren Häusern. Der Führungskräftetag ist Kick-Off-Veranstaltung für die Methode SITAP - die von Petra Stahl, Leiterin der Fachberatung Altenhilfe ALoA, konkret für die Altenheimat entwickelt worden ist. Gemeinsam mit Iris Müller-Wetekam stellt sie das Instrumentarium zur "Situationsanalyse im Pflegeheim" den Teilnehmenden vor. Moderierte Rollenspiele und deren Auswertung lassen das neue Instrument zur Auswertung von Alltagssituationen am Führungskräftetag erproben und kennenlernen.

Wie stellt sich die Evangelische Altenheimat der aktuellen Herausforderung in der stationären Pflege, herbeigeführt durch veränderte Rahmenbedingungen? Wachsende Abhängigkeit und Einschränkung der Bewohner/innen mit immer kürzeren Verweilzeiten in den Häusern macht die Pflege mit Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen immer schwerer.

Um mit der erschwerten Situation umzugehen, hat das "Kompetenzteam Konzepte" den Auftrag an Frau Stahl weitergeleitet, ein Instrument zur Analyse und zur Weiterentwicklung der Arbeit in den Häusern zu entwickeln. Frau Stahl kennt bereits viele unserer Häuser aus einzelnen professionellen Begleitungen. Die Gerontologin hat mit SITAP ein Instrumentarium zur Situationsanalyse entwickelt, das durch teilnehmende Beobachtung und Rückmeldung neue Motivation fördern und Gemeinsamkeit stärken kann. Lebensqualität der Bewohner bedeutet gleichzeitig Arbeitsqualität der Mitarbeitenden. Insofern soll die neue Methode die Qualität des Lebens und Arbeitens in unseren Häusern unter aktuell erschwerten Bedingungen fördern.

Da sich Lebensqualität in Interaktionen zwischen Pflegenden und Gepflegten äußert, fokussieren die Fachfrauen verschiedene Alltagssituationen, in denen Interaktion angeschaut und überprüft werden soll. Das sind z. B. die Grundpflege morgens und abends, die Mittagsmahlzeiten, Neuaufnahmen, Beratungsgespräche. Nun geht's ans Rollenspiel: Ein Austausch im interdisziplinären Team mit festgeschriebenen Rollen wird erprobt. Jeweils drei bis vier Beobachter/innen nehmen bestimmte Kommunikationsaspekte ins Visier und werten diese nach einer Skala aus. Die Rückmeldungen ergeben viel Spielraum für eine Weiterentwicklung. Eine zielführende und wertschätzende Kommunikation sollte anders laufen! Das Punktesystem hilft die Beobachtungen zu versachlichen und messbar zu machen.

In kreativer Weise geben die beiden Referentinnen, als Köchinnen verkleidet, Tipps zum Gelingen des Experiments. Die Auswahl der Zutaten sollte stimmen, insofern sind die Mitarbeitenden, die im Hausalltag beobachten, sorgfältig ausuwählen und gründlich zu schulen. Es gibt keine Patentrezepte. Wenn mal was schief läuft, gibt es auch rettende Zutaten und Möglichkeiten der Intervention. Das Kosten des Menüs zwischendrin wird explizit empfohlen. Dazu sollten viele Menschen vor Ort, direkt und indirekt Beteiligte, Bewohner, ehrenamtlich Mitwirkende, Angehörige u. a. vorab informiert werden.

Die Beobachter im Experiment Rollenspiel melden zurück: Neutral zu beobachten, den Fokus auf bestimmte Aspekte zu halten und sich dabei aus dem Geschehen zurückzunehmen, ist gar nicht so einfach und sollte gut geübt werden. Die Auswertung der auf Karten gesammelten Chancen und Herausforderungen, die die Teilnehmer/innen mit der Methode SITAP verknüpfen, zeigt, dass es oft zwei Seiten einer Medaille gibt: So kann neue Motivation entstehen sich aber auch Demotivation entwickeln. Eine gute Begleitung und aufmerksame Durchführung vor Ort ist entscheidend für das Gelingen von SITAP. Ab Mitte des Jahres ist die Einführung der Methode SITAP geplant. Die Durchführung als Projekt ist auf etwa 1 Jahr mit Abschluss im April 2019 angesetzt.